Wie aus dem wahren Leben.
“Und ich weiß echt nicht, wo dein scheiß Problem ist!”, schrei ich sie mit bedrohender Geste an.
Sie wendet ihr Gesicht in dieser dunklen Nacht von dem grellen Schein der Straßenlaterne ab und setzt sich auf den nasse, kalten Bürgersteig.
Um uns herum nichts als ein Kastanienbaum, dessen Früchte nah an unseren Köpfen kleben, so als wollten sie unserem Gespräch zuhören, was erst so gefühlvoll begann und letztendlich in einem Disaster zu enden schien.
“Sag mir jetzt endlich wo dein Problem ist Maja! Verdammt noch mal, ich habe dir nichts getan und plötzlich rastest du so aus!”, rufe ich wieder. Dann setze ich mich zu ihr auf den tränennassen Boden und lege mein Gesicht auf meine geknickten Knie. Ich merke, wie aus meinen Augen Tränen rinnen und fühle das Auftreffen dieser, auf meiner Jeanshose.
“Du hasst dich doch sowieso, dann kann dir niemand anders etwas wert sein!”, beginnt sie nun zu sprechen, worauf ich ihr entgegne, dass mir wahrscheinlich alle Menschen mehr wert sind als ich selber. “Gestern, da wollte ich dich noch fragen, ob wir nicht was zusammen machen sollen, aber dann ist mir aufgefallen, dass du dich ja eh für Behindert und Dumm hälst!
“Ja, und als du dein Lebenstief hattest, da hab ich dich auch nicht angegriffen, nein. Ich habe dir geholfen, dir Mut gemacht und außerdem war ich immer für dich da wenn du mich gebraucht hast. Und jetzt, wo es mir schlecht geht, da gehst du einfach, du bist weg. Es nervt dich, dass es mir schlecht geht und es interessiert dich nicht. Du bist ein eiskalter Egoist, geh dich doch ruhig weiter ritzen und verstümmle deinen Körper - WEIL DU ES BRAUCHST!
Du warst betrunken und ich war es und dann haben wir uns geküsst und letztendlich ist für dich alles gar nicht wichtig und nicht passiert, aber es scheint dir ja egal zu sein, was mit meinen Gefühlen ist, hauptsache du hast die Gewissheit. Hauptsache du kannst dein Leben ändern wie du es gerne willst und Hauptsache du bist dein eigener Mensch!
Sie dir an was du aus mir gemacht hast? Ich rauche, ich trinke, ich liebe und du, es ist deine Schuld, deine verdammte Schuld und jetzt?”,
das ist es was ich dachte, aber ich wollte es nicht laut aussprechen.
Ich wollte sie nicht so verletzen wie sie mich verletzt, ich wollte nicht die gleichen Fehler machen und mir dann anhören, wie es Nietzsche getan hätte, nein. Ich wollte es nicht so machen.
Und so schwiegen wir uns den ganzen Abend an. Sie schwieg in ihre leere Seele und meine betrunkenen Augen schwiegen die Flasche Wein und die Schachtel Lucky Strike an.